Das war acappellica – vocalhamburgfestival 2012

+++„Ausnahmslos einzigartige Stimmung“ +++ „Festival-Hammer“ +++ „Perfekte Mischung“+++

 

acappellica – vocalhamburgfestival 2012 ging stimmungsvoll über die Bühne

Hamburg, 18.09.2012

Mit einem fulminanten Abschlusskonzert und unter donnerndem Applaus ist am vergangenen Sonntag in der Laeiszhalle nach vier Tagen das erste acappellica – vocalhamburgfestival zu Ende gegangen. Das Feedback der Teilnehmer bewegte sich zwischen „absoluter Festival-Hammer“ (Ulli), „restlos begeistert“ (Susanne) und dem Lob der „ausnahmslos einzigartigen Stimmung“ (Justus). Euch, unseren Bühnengästen und allen anderen Teilnehmern gilt unser Dank – bis zum nächsten Mal!

Das Grande Finale in der Hamburger Laeiszhalle

Am Ende standen sie alle gemeinsam auf der Bühne: Festivalteilnehmer, Gastensembles und Veranstalter taten sich im großen Saal der Laeiszhalle zum stimmstärksten Chor Hamburgs zusammen. Wo sonst Weltstars der Musikszene ihr Können unter Beweis stellen, sangen hunderte acappellica-Begeisterte unter der Leitung der Hamburger Un4gettable die von Olli Gies arrangierte Festivalhymne „Die Stimme kann’s – do it acappellica“. Diese brachte schon vor der offiziellen Begrüßung sichtlich Stimmung in den von über 1100 Gästen besetzten Zuschauerraum.

Beste Bedingungen also für die Stars des Nachmittags. „Wenn man nicht daran glaubt, wird es nicht wahr“, kündigte Cantaloop-Chorleiter Christoph Gerl den Song „State of Mind“ an. Und es wurde wahr: tosender Applaus für die 39 in blau, weiß und türkis gekleideten Sänger- und Sängerinnen. Der Hamburger Chor zeigte eine beeindruckende Bandbreite mit Songs von George Michael und Jan Delay über Adele bis hin zu Liedern dänischer und finnischer Singer-Songwriter.

Noch bevor die beiden Festivalgründer Frank Schirmacher und Dominique Heidle die zweite Gruppe des Tages ankündigen konnten, brandete tobender Applaus durch den Saal. Unter dem Jubel ihrer Fans betraten die international erfolgreichen SängerInnen, des aus Dänemark stammenden Chores Vocal Line, die Bühne. Chorleiter und Maestro des europäischen A-cappella-Gesangs Jens Johansen, sprach von einem Privileg, bei acappellica singen zu können. Bereits seine scherzhafte Drohung, für die nächsten sieben Stunden die Bühne zu bespielen, versetzte die Menge in Begeisterung. Vocal Line sind für den A-cappella-Gesang über die Grenzen Dänemarks hinaus stilbildend. Auch in Hamburg konnten sie durch Stimm- und Bühnenperfektion den Beifallsturm des Publikums von Song zu Song mehr entfesseln.

Nachdem unter anderem Songs wie „Viva la Vida“ von Coldplay, „Audition Day“ von Oh Land oder „Black Dove“ von Tori Amos erklangen, überraschten Vocal Line und Cantaloop mit einer stimmungsvollen, gemeinsam im dämmerigen Zuschauerraum stehend, gesungenen Version von „Blue“ von Joni Mitchell.

Drei Stunden Chorgesang mit wunderbaren Gästen, einem jubelnden Publikum und damit auch vier wunderbare Festivaltage fanden so einen glücklichen Abschluss.

Drei Abende – zehn Konzerte

Das acappellica-Publikum war auf diese Abschlussmatinee bestens vorbereitet. Denn an den drei vorangegangenen Abenden waren im Uebel & Gefährlich und in der Anglican Church hochkarätige A-cappella-Ensembles und Chöre zu erleben. Wir haben unsere Erinnerungen für Euch zusammengefasst:

 

Reife Boys und heiße Moves

Die sechs attraktiven Sänger der dänischen Gruppe Basix eröffneten am Donnerstag das vocalhamburgfestival im Uebel & Gefährlich in der Feldstrasse. Noch anziehender als die Jungs waren nur ihre auch unverstärkt zum Schmelzen schönen Stimmen. Souverän, strahlend und mit sexy Körpereinsatz boten die auch in den USA und Asien bekannten Dänen einen ausgewogenen Programmmix aus Evergreens und neuen, eher unbekannten Stücken.

 

Freche Jungs aus Norddeutschland

Schon Jan Bürgers Blick beim Betreten der Bühne verrät: Das wird witzig! Aber auch böse. In ganz Deutschland sind er und seine Kollegen Oliver Gies, Sebastian Schröder und Lukas Teske mit ihrem Programm „Extrem nah dran“ unterwegs. Maybebop bieten einen kurzweiligen Mix aus Comedy und Gesang und genau darin liegt ihre Stärke: perfekt gesetzte Pointen, charmante Verbindung zum Publikum, vier professionell ausgebildete Gesangsstimmen mit erstaunlichen Fähigkeiten in Höhe und Tiefe und großes Talent zur Improvisation. Schon mit ihrem ersten Song über die Lebenskrise des Fötus im Mutterleib, brachten Sie den Saal im Bunker zum Kochen. Grandios!

 

Hamburger Lokalmatadore

„Viel gelacht“ – so resümierten viele der acappellica-Festivalgäste den Auftritt der Jungs von Mundial. Einigen Hamburgern waren die Vier durch ihren Song „Acappella auf dem Teller“ bekannt. In der Vergangenheit hat man die Mundial-Männer öfter in Bars und auf kleineren Bühnen auftreten sehen. Am Samstag hatten sie die Chance, ihre technisch und komödiantisch bemerkenswerte Performance vor einem großen Publikum zu präsentieren.

Das Programm des ebenfalls in Hamburg ansässigen Ensembles KlangGold stand im Zeichen des Umbruchs. Zwei Mitglieder gaben mit ihrem acappellica-Auftritt ihren Abschied. Wie es weitergeht? Ersatz wird noch gesucht. Doch vorerst unterhielten die Ensemblemitglieder (vier Frauen und vier Männer) mit liebevollen Arrangements (alle aus der Feder von Ensembleleiter Ramon Lazzaroni), einer großen stilistischen Bandbreite und wechselnden Soloparts. Und: mit einem echten und überraschenden Bollywood-Schlager.

           

Klassische Komödianten

Das vocalhamburgfestival 2012 war am Samstag auch bei der Nacht der Kirchen zu Gast. Das gediegene Ambiente der Anglican Church am Zeughausmarkt versprach besinnlich-ruhige Stunden. So sah es auch aus, als die in schwarze Anzüge gekleideten jungen Herren des Ensemble Quartonal den Raum betraten. Ein klassisches Konzert also. Doch, weit gefehlt: Denn neben klassisch ausgebildeten Stimmen boten die singenden, hochkonzentrierten Gentlemen großes, doch fein dosiertes komödiantisches Talent und ein breit changierendes, auf englisch und deutsch gesungenes Repertoire zwischen Pop, Kirchenlied und romantischen Songs. Die vier Herren, die sich schon im Knabenchor Uetersen kennen lernten, gewannen den acappellica-Auftritt im letzten Jahr in einem Wettbewerb. Sie haben diese Chance brillant zu nutzen gewusst.

Abgerundet wurde das acappellica-Gastspiel in der Anglican Church von den Winterhuder Gospolitans. Mit technischer Präzision und dezenten, aber wirkungsvollen Choreographien sprachen sie vielen Anwesenden mit ihrer Liebe zur Hansestadt aus dem Herzen.

 

Wilde Jungs und wilde Mädels

Berührend – Sphärisch – Souverän! So lässt sich der Bunker-Auftritt der Hannoveraner Gruppe Juicebox am besten beschreiben. Mit brillanten Stimmen, verstörend überzeugendem Körpereinsatz und einfallsreichen Bewegungsfolgen übertrafen die sechs Jungs und Mädels die Erwartungen, des bereits bei der Anmoderation kreischenden Publikums. Immer wieder gab es Szenenapplaus und die jeweils ersten Töne der Lieder rissen die Fans im Saal tanzend von den Sitzen. Eine perfekte Dramaturgie der Songauswahl! Und vom Bass bis zum Beatboxer – diese Sänger hatten’s drauf!

 

MeisterInnen der Improvisation

Als Festivalmeister der Bühnenimprovisation entpuppten sich die Dänen von The New Voxnorth. In ihren Reihen steht seit einiger Zeit auch der belgische Beatboxer Senjka „Roxorloops“ Danhieux. Am Samstagabend bewiesen die fünf Frauen und sechs Männer, dass sie den Groove im Blut haben. In ihrer Improvisationsfreude haben die Dänen keine Angst vor Risiko. Warum auch? Denn dieses Team ist auf der Bühne bestens aufeinander eingestellt. Neben ihrer Sangeskunst gaben die elf Künstler im Schwarzlicht, mit weißen Handschuhen im abgedunkelten Raum, eine Lektion in Sachen Rhythmusgefühl.

 

Aufgehender Stern am A-cappella-Himmel

Die Überraschung des Festivals war die in Deutschland noch recht wenig bekannte, schwedische A-cappella-Gruppe Little Green. Aufgeregt, etwas schüchtern und hübsch zurecht gemacht, nahmen die jungen Männer und Frauen aus dem hohen Norden ihr erstes gemeinsames Auslandskonzert in Angriff – und bezauberten auf Anhieb durch Anmut, ausgetüftelte Arrangements und Herzenswärme. Mit hervorragenden Stimmen und einem variablen Repertoire zwischen lauten und ruhigen Stücken machten sie klar, so Line Groth von Postyr Project, wer die „aufgehenden Sterne“ am nordeuropäischen A-cappella-Himmel sind. Mit ihnen ist auch weiterhin zu rechnen, hoffentlich auch wieder bei acappellica in Hamburg.

 

Fixstern der Szene

Der Stern von Postyr Project funkelt bereits hell und stolz am Firmament. Ein Hauch nordeuropäischer Mystik umwehte die Bühne, als Line, Tine, Andreas, Anders und Kristoffer die ersten Takte ihrer electronic vocal music intonierten. Seit 2009 besteht die Band; sie alle sind studierte Musiker. In ihrer völlig allürenfreien Inszenierung verschränkten sich Licht, Stimme und unmittelbar vor ihrem Abspielen aufgenommene, verzerrte Stimmaufnahmen der Fünf zu einem bisher ungehörten Klankunstwerk. Gebannt fixierte das acappellica-Publikum die von dänischer Magie erfüllte Bunkerbühne. „Selten waren wir so im Moment, so im “Flow” und so präsent wie bei diesem Konzert“, sagte Line Groth am nächsten Morgen lächelnd. Im Flow waren auch alle Anwesenden, ausnahmslos. Danke, Postyr Project.

 

Vorm Konzert war nach dem Workshop

Vor den Darbietungen am Abend konnten die acappellica-Teilnehmer tagsüber zwischen mehr als 20 Workshops und Coachings wählen. Früh um neun fanden sich Workshopinteressierte zu einem gemeinsamen Morning Singing zusammen. Im Kulturhaus III&70 auf dem Hamburger Schulterblatt erteilten dann hochkarätige Dozenten wie Prof. Lindsay Lewis, Senjka Danhieux und Jim Daus Hjernøe Lektionen in African Music, Vocalpercussion oder gaben klassische Stimmcoaching-Stunden. Jens Johansen, legendärer Dirigent und Leiter von Vocal Line erkrankte leider kurzfristig, wurde aber mehr als würdig durch Mette Maagaard (sie gab drei gut besuchte Workshops) und das Postyr- und Vocal Line-Mitglied Line Groth ersetzt. „Ich habe heute in Vertretung für mein großes Idol unterrichtet“, sagte Line nach ihrem Kurs „Under African Skies“ noch am großen schwarzen Flügel sitzend. „Alle waren so offen und haben sich richtig reingekniet.“ Mit dem zweistündigen Seminar feierten die Teilnehmer den 25. Jahrestag des Paul Simon-Albums „Graceland“.

Ein Seminar ganz anderer Art gab der flämische Beatbox-Großmeister Senjka „Roxorloops“ Danhieux. Während seines Aufwärmprogramms blieb den 20 Teilnehmern in den Katakomben des Kulturhauses der Mund offen stehen. Denn die Töne, die RoxorLoops in unglaublicher Geschwindigkeit und Abfolge hervorbrachte, klangen alles andere als menschlich. Dem ein oder anderen wurde da mulmig zu Mute. Der Meister aber fackelte nicht lange und schickte seine Schüler ans Mikro. Die kollegiale Gruppe machte es einander leicht, die Hemmungen abzulegen und so mancher brachte ein beachtliches Ergebnis hervor. „Ein super Einstieg. Nun weiß ich, dass mich das Thema interessiert und werde weiter üben“, so Oliver vom Hamburger Männerquartett Stimmt so. „Vielleicht schaffe ich mir zur Übung auch Mikro und Verstärker an.“